30. September 2016 / Jessica Spreyer

Schriften: Ein kurzer Überblick

Die Qual der Wahl

Verfassen wir eine Geburtstagskarte für Freunde, versuchen wir uns in Schönschrift und geben uns alle Mühe leserlich und gleichzeitig so elegant wie möglich zu schreiben, schließlich bestimmt das Schriftbild einen Großteil der Gestaltung. Dies gilt natürlich auch für gesetzte Texte. Heutzutage scheint das Angebot an Schriften fast unüberschaubar und die richtige Wahl zu treffen, wird schnell komplizierter als erhofft. Um sich in der großen Welt der Schriften besser zurecht finden zu können, hilft es, die Schriften zu gliedern und sich so einen Überblick zu verschaffen. Auf diese Weise schärft man automatisch sein Verständnis für die Materie.

Natürlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, Schriften voneinander zu unterscheiden. Im Folgenden möchten wir Ihnen gerne eine Unterteilung vorstellen, die uns weitergeholfen hat.
Die gröbste Gliederung von Schriften, ist die in Gattungen.

Schriftgattungen

Antiqua-Schriften
Spricht man von Antiqua-Schriften, handelt es sich im Allgemeinen um lateinische Schriftarten, deren Bögen einer (beim Schreiben entstandenen) gleichmäßigen Bewegung entsprechen. Das Ergebnis sind runde Buchstabenformen (beachten Sie die Bögen der Buchstaben „g“ und „d“ der Antiqua Beispiele).

Gebrochene Schriften
Bei diesen handelt es sich ebenfalls um lateinische Schriftarten, allerdings ist ihr Schriftbild durch häufige Richtungswechsel geprägt. Ihr Schriftbild ist kantiger, da die Bögen der Buchstaben gebrochen werden (beachten Sie die Bögen der Buchstaben „g“ und „d“ der Beispiele Gebrochener Schiften).

Nichtrömische Schriften
Hierzu zählen z. B. asiatische oder arabische Schriftzeichen. Die einzelnen Gattungen lassen sich darüber hinaus in Untergruppen gliedern.

Untergruppen der Antiqua-Schriften

Antiqua
Wenn von einer Antiqua die Rede ist, meint man damit im Spezifischen eine Serifenschrift (eine Serife bezeichnet den kleinen, abschließenden Querstrich am oberen oder unteren Ende eines Buchstabes).

gisidesign-antiqua

Eqyptienne
Die Eqyptienne umfasst serifenbetonte Schriften. Ihre Schriften lassen sich aus der Antiqua ableiten, sie kennzeichnet eine gleichmäßige Strichstärke mit entsprechend breiten Serifen.

gisidesign-egyptienne

Grotesk
Unter Grotesk versteht man serifenlose Schriften.
gisidesign-grotesk

Antiqua Varianten
Hierbei handelt es sich um Mischschriften, die sich nicht eindeutig einer der drei Untergruppen zuordnen lassen, aber trotz allem zu den Antiqua-Schriften zählen. Gemeint sind Dekorative-, Display-, oder Schreibschriften.

gisidesign-antiqua-varianten

Untergruppen der Gebrochenen Schriften

Fraktur
Sie ist die älteste der gebrochenen Schriften und wurde bereits im 14. Jahrhundert entwickelt. Sie zeichnet sich durch ihren typischen „Elefantenrüssel“ aus, einen dekorativen Aufschwung, welcher vor allem die Großbuchstaben der Schrift ziert (hier siehe „s“ in „gisidesign“).

gisidesign-fraktur

Rotunda
Die Rotunda wurde in Italien Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelt. Im Gegensatz zu anderen gotischen Schriften brechen ihre Buchstabenbögen allerdings nicht vollständig, die Brechung ist oft nur angedeutet.

gisidesign-rotunda

Schwabacher
Die Schwabacher war ab Ende des 15. Jahrhunderts bis Mitte des 16. Jahrhunderts die gängigste Schrift in Deutschland. Im Vergleich zur Textura läuft sie offener und breiter.

gisidesign-schwabacher

Textura
Die Textura wurde in Frankreich zur Zeit der Gotik entwickelt. Bei ihr kommt es zur v ollständigen Brechung der Schriftbögen, weitere Merkmale sind der geringe Wort- sowie Zeilenabstand, der für ein sehr dunkles Schriftbild sorgt.

gisidesign-textura

Zur Besseren Unterscheidung, lassen sich viele der Untergruppen noch weiter aufgliedern. Da gibt es z. B. die Renaissance oder Klassizistische Antiqua. Hier werden die historischen Merkmale der Schrift unter die Lupe genommen und als weiteres Klassifikationskriterium zur Hilfe herangezogen. Neben den Schriftgattungen gibt es allerdings noch weitere hilfreiche Begriffe, auf die man beim Umgang mit Schriften immer wieder stößt:

Zeichensatz
Ein Zeichensatz umfasst alle Elemente einer Schriftart, dazu zählen Buchstaben, Ziffern und Zeichen.

Schriftart/Schriftbezeichnungen/Schriftfamilie
Eine Schriftart verleiht einem Zeichensatz einen bestimmten Charakter. Wenn wir uns am Computer eine Schrift auswählen, helfen uns Schriftbezeichnungen, die einzelnen Schriftarten voneinander zu unterscheiden. Schriftbezeichnungen sind die Namen, die ein Schriftdesigner seiner Kreation verliehen hat. So z. B. „Helvetica“, „Times“ oder „Futura“. Ausgearbeitete Schriftarten haben meist mehrere Schriftschnitte. Die Gesamtheit aller Schriftschnitte einer Schriftart bezeichnet man als Schriftfamilie.

Schriftstile/Schriftschnitte
Schriftschnitte geben Aufschluss über Stärke, Laufweite oder Lage einer Schrift. Gängige Bezeichnungen sind hier z. B. „regular“, „light“, „condensed“, „italic“, „black“ und viele mehr. Die genauen Begriffe können dabei von Schriftdesigner, zu Hersteller oder Land variieren.

Soweit zu den gängigsten Bezeichnungen. Nun kennen Sie den groben Rahmen, der Ihnen bei der Suche einer passenden Schrift zur Verfügung steht. Doch woher wissen Sie, für welche Schrift Sie sich entscheiden sollen? Neben der Berücksichtigung der Historie einer Schrift (diese ist nicht zu unterschätzen), kommt es auf die Bewertung des Schriftbildes an. Dabei geht es um zwei wesentliche Punkte:

Lesbarkeit
Die Schrift sollte sich gut lesen lassen und den Informationsfluss nicht behindern. Bei der Frage nach der Lesbarkeit, sollte man auch auf die Zielgruppe Rücksicht nehmen. Entwirft man beispielsweise etwas für ältere Menschen, kann man davon ausgehen, dass deren Sehvermögen eingeschränkt ist, was man wiederum bei der Gestaltung bedenken sollte. -> Unser Blogbeitrag „Größe ist nicht alles“ gibt weitere hilfreiche Tipps zum Thema Typografie und Lesbarkeit.

Charakter
Jede Schrift hat einen eigenen Charakter und transportiert auf diese Weise auch immer automatisch eine gewisse Botschaft. Auch hier lässt sich die Wahl der Schrift eingrenzen, indem man die Zielgruppe genauer unter die Lupe nimmt. Das zu gestaltende Produkt bzw. der gegebene Anlass entscheidet schließlich im wesentlichen über ein passendes oder unpassendes Schriftbild.

Bei einer derartigen Vielzahl an Möglichkeiten ist es nicht immer leicht, die richtige Entscheidung zu treffen. Oft hilft dabei allerdings eine Gegenprobe. Eine geeignete Schrift hat man dann gefunden, wenn sie die zu transportierende Aussage unterstützt. Fällt die Wahl auf eine zum Thema unpassende Schrift, kann dies in der Kommunikation unweigerlich zu Missverständnissen führen. Ob eine Gestaltung ihren Zweck erfüllt, lässt sich am besten im Praxistest in Erfahrung bringen. Prüfen Sie Ihr Layout mit Hilfe unserer Checkliste zum Thema „Ist Gestaltung Geschmacksache?“Darüber hinaus ist es immer ratsam, vor einer endgültigen Entscheidung Freunde oder Kollegen hinzuzuziehen und deren Reaktionen auf die Gestaltung zu testen.

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