17. Juli 2016 / Tanja Gattnar

Ist Gestaltung Geschmackssache?

Schön oder hässlich? So steuert der eigene Geschmack unsere Wahrnehmung

„Über Geschmack lässt sich streiten!“ Für einen Endverbraucher ist diese Aussage sicher zutreffend, denn er wägt ab, ob ihm eine Gestaltung gefällt und seinem persönlichen Empfinden entspricht. Wer allerdings als Gestalter arbeitet oder Verantwortung für eine Marke trägt, kann sich mit dieser Floskel nicht herausreden. Wir zeigen Ihnen die unterschiedlichen Wahrnehmungen und geben nützliche Tipps für eine neutrale Bewertung.

Definition: Geschmack
Der Geschmack ist die subjektive Fähigkeit, ein (ästhetisches) Werturteil über eine bestimmte Sache/ein Objekt/ein Werk abzugeben.

Individuelle Geschmacksentwicklung
In der klassischen Marktforschung und im Marketing werden Personengruppen nach verschiedenen Merkmalen analysiert und segmentiert. Neben den soziodemografischen Fakten (Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Wohnort ect.), spielen die soziale Lage (Unter-, Mittel-, Oberschicht) und die Grundorientierung (Werte wie Tradition, Modernisierung/Individualisierung und Neuorientierung) entscheidende Rollen bei der Entwicklung des Geschmacksempfindens. Doch auch der Zeitgeist, die aktuelle Mode und gesellschaftliche Rahmenbedingungen sind ausschlaggebende Punkte, die zur ästhetischen Wahrnehmung beitragen.

Unser eigenes Empfinden ist also gar nicht so individuell, wie wir bisher dachten. Denn trotz der großen Vielfalt in unserer Gesellschaft, kann jeder Einzelne einer bestimmten Personengruppe bzw. Zielgruppe zugeordnet werden.

Zielgruppe/n bestimmen und kennenlernen
Es ist zwingend notwendig die Zielgruppe/n zu bestimmen, damit klar wird, an wen sich die Maßnahme richtet. Wer es schafft, seine Produkte so zu gestalten, dass eine Verknüpfung zwischen den Grundbedürfnissen und Glaubenssätzen der Zielgruppe/n entsteht, wird eine optimale Ansprache erreichen. Es ist also extrem wichtig, die Wünsche, Glaubensansätze, Bedürfnisse und Probleme der Zielgruppe/n zu kennen und zu analysieren. Denken Sie daran, egal wie toll Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung sein mag, das Ziel einer Marketingmaßnahme besteht darin, die Zielgruppe/n zu erreichen.

Mit der Zielgruppe zur objektiven Wahrnehmung
Eine erfolgreiche Marketingmaßnahme basiert auf einer objektiven Beurteilung.
Der erste Eindruck wird allerdings maßgeblich durch den persönlichen Geschmack geprägt. D.h. jede Wahrnehmung ist zunächst subjektiv. Da auch Marketingverantwortliche einen persönlichen Geschmack haben, besteht deren Aufgabe darin, eine objektive Sichtweise einzunehmen und sich von Vorurteilen, Gefühlen und Interessen zu lösen. Betrachten Sie das Medium mit den Augen der Zielgruppe/n, schließlich entscheidet der ausgeprägte Geschmack der Zielgruppe/n. Die Mission von Designer und Marketingabteilung liegt darin, die Bedürfnisse der Zielgruppe/n zu erfassen und entsprechend zu bedienen.

Anhaltspunkte für eine neutrale Bewertung
Wir haben einen Fragenkatalog zusammengestellt, der Ihnen helfen soll, Neutralität zu wahren und zielgruppengerecht zu beurteilen. Nicht alle Fragen müssen zwingend beantwortet werden, nur diese, die für die Maßnahme Relevanz haben. Alle Anhaltspunkte sind auf die jeweilige/n Zielgruppe/n bezogen.

Informationsgehalt
• In welcher Breite oder Tiefe soll/en die Zielgruppe/n über das Produkt/die Dienstleistung informiert werden?
• Wird die definierte Botschaft an den Betrachter kommuniziert?
• Wird die Erwartungshaltung des Kunden berücksichtigt?
• Ist der Inhalt zielgruppengerecht formuliert und somit verständlich?
• Wie schnell werden die Kernaussagen erfasst?

Wirkung/Emotionalität
• Welche Wirkung soll ausgelöst werden?
• Wird/Werden die Zielgruppe/n emotional angesprochen?
• Was verbindet die Zielgruppe/n mit der eingesetzten Farbe/Typografie/Form?
• Spiegelt die Bildwelt die Emotionen der Zielgruppe/n?
• Ist die angewendete Schriftart und Schriftgröße passend?
• Soll eine Signalwirkung erzielt werden?
• Gibt es in der Gestaltung Grafiken und Bilder, die für die Zielgruppe/n zum Eye-Catcher werden?
• Folgt das Design einem bestimmten zeitlichen Trend und spricht dieser die Zielgruppe/n an?
• Ist das Design für die Zielgruppe/n individuell und unverwechselbar?

Benutzerführung
• Ist/Sind die Zielgruppe/n bereits vertraut mit der Nutzung des Produkts?
• Ist das Layout strukturiert und benutzerfreundlich aufgebaut?
• Ist eine intuitive Benutzung gewährleistet?

Image
• Werden die Unternehmenswerte glaubwürdig und positiv wahrgenommen?
• Soll die Marke/Das Unternehmen Modernität oder Tradition ausstrahlen?
• Passt das Gesamt- und Stimmungsbild der Gestaltung zu den Werten und Zielen des Unternehmens/der Marke und gleichermaßen zu den Bedürfnissen der Zielgruppe/n?
• Bewegt sich das Design innerhalb der Corporate Design Vorgaben?
• Welche Mitbewerber kennt die Zielgruppe/n? Wie differenziert sich die Kommunikation?

Reizwechsel/Neuigkeit
• Sind in der Gestaltung genügend Anreize geschaffen? Gibt es für die Zielgruppe/n immer wieder etwas Neues zu entdecken?
• Ist das Maß an Einfachheit/Komplexität, Ordnung/Zufälligkeit, Originalität adäquat?
• Ist die Gestaltung einprägsam und bleibt dem Betrachter im Bewusstsein?

Stringenz
• Ist für die Zielgruppe/n in der Gestaltung eine Einheit, in Bezug auf Thematik, Technik, Aussage ect. erkennbar?

Unser Fazit:
Gestalter und Marketiers sind Spezialisten dafür, zielgruppengerecht zu kommunizieren. Sie wenden Techniken an, die eine punktgenaue Ansprache gewährleisten – so treffen sie Kopf und Herz der Zielgruppe. Aus diesem Grund: Haben Sie vertrauen in Ihre Experten! Denn es geht nicht darum, Ihren Geschmack zu treffen, sondern das Marketingziel zu erreichen.

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