17. Dezember 2015 / Tanja Gattnar

Einblick: Die 4 Phasen des Kreativprozesses

Phasen des kreativen Prozesses

Jeder Kreative kennt das Problem, ein neues Projekt liegt auf dem Tisch und wartet darauf, originell und am besten möglichst schnell umgesetzt zu werden. Doch das ist nicht immer so einfach, denn wer ganz oben mitspielen will, braucht kontinuierlich neue Ideen. Diese kommen allerdings wann und wo sie wollen. Einfach hinsetzen, nachdenken und darauf warten, bis die ersten Geistesblitze anklopfen, so einfach wird es leider keinem gemacht. Auf der Suche nach der besten Idee durchlaufen kreative Menschen mehrere Phasen. Diese sehen meist folgendermaßen aus:

Phase 1: Das Problem verstehen
Kreativität ist weit mehr als ein „Gedankenblitz“, der schnell Gestalt annimmt. Was zunächst benötigt wird, ist eine Struktur, die das Problem veranschaulicht. Zu Beginn werden Zusammenhänge transparent gemacht und Informationen zur Problematik gesammelt, sodass in die Problemstruktur tiefer eingedrungen werden kann. Ist das Problem einmal erkannt, folgt eine intensive Analyse. Das gesammelte Wissen wird folglich aufgearbeitet und erste Teillösungen entwickelt, was jedoch meistens noch zu keinem befriedigenden Ergebnis führt. Es entsteht der Eindruck, dass dieses Problem nicht oder nur durch weitergehende Studien zu lösen ist. In der ersten Phase steigt häufig der Druck und die Frustrationsgefühle nehmen zu.

Phase 2: Lösungsansätze werden generiert
In Phase 2 nistet sich allmählich das zu lösende Problem in den Hinterkopf ein und wird an das Unterbewusstsein abgegeben. Trotz intensiver Problembearbeitung ist häufig noch kein Ziel in Sicht. Die Gedanken bewegen sich im Gegensatz zur ersten Phase, frei und ziellos in unserem Kopf und haben so die Möglichkeit unerwartete und neue Verknüpfungen zu bilden. Doch leider ist auch in dieser Phase das Ergebnis noch ungewiss.

Phase 3: Die Erleuchtung kommt
Jeder kennt diesen einen Moment, wenn schlagartig ein „Aha-Erlebnis“ eintritt. Das ist jener Augenblick, in dem die, aus unerwarteten und neuen Verknüpfungen gebildeten, Ideen aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche treten. Man nennt ein solches Erlebnis auch „Erkenntnisblitz“, oder das berühmte „Ich hab’s!“ des Kinderhelden Wickie.
Die Idee erscheint häufig noch schemenhaft und möglicherweise wenig detailliert. Oftmals werden solche Gedankenblitze verworfen oder einfach ignoriert. Die meisten Ideen entstehen außerhalb des Arbeitsplatzes. So ist der Schreibtisch ein eher ungeeigneter Ort für unsere kreativen Gedanken, denn mit ihm assoziieren wir Stress und Arbeitsdruck. Das ist für die Ideenproduktion von großem Nachteil. Beim Joggen, Kochen oder Duschen entstehen oft bessere Einfälle – es ist entscheidend, dass eine vollkommene Offenheit herrscht. Was das Unterbewusstsein mitteilt, sollte aufgeschrieben werden – jede noch so kleine Idee.

Phase 4: Ideen werden geprüft
Die bisher gesammelten Ideen werden im nächsten Schritt auf ihren Nutzen überprüft. Ist die Idee umsetzbar? Löst die Idee das Problem wirklich? Dies geschieht über den Abgleich des angeeignete Wissens und der verinnerlichten Meinung. Oftmals ist es bei der Ideenselektion hilfreich, Außenstehende um Rat zu fragen, da sich diese kein spezifisches Fachwissen angeeignet haben und objektiver beurteilen können. Wird nun eine Idee bevorzugt, folgt der letzte Schritt, nämlich die Umsetzung.

Fazit: Sich auf die Reise einlassen
Wer originelle Ideen entwickeln will, sollte sich auf die Reise des kreativen Prozesses einlassen können. Dabei ist es wichtig, die Ungeduld zu zügeln, auch wenn wir oftmals dazu neigen, Ideen schnell finden zu wollen. Anders ist das bei Kreativ-Profis, die täglich auf Ideensuche gehen, denn diese besitzen mehr Routine im Erzeugen von ungewöhnlichen Verknüpfungen. Kreative kommen daher schneller zu positiven Resultaten innerhalb des Prozesses – ganz nach dem Motto: Übung macht den Meister.

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